Ist es möglich, höhere Summen abzuschreiben? Diese Frage hören wir oft von unseren Kunden. Wir zeigen Ihnen die Zusammenhänge anhand eines Beispiels.
Landwirt X konnte Anfang 2006 einen Pachtbetrieb übernehmen. Die Pacht läuft Ende 2025 aus; der Landwirt geht in den Ruhestand. Im Laufe der Pachtzeit kaufte der Landwirt Maschinen im Wert von total Fr. 300 000.–. Per Ende 2025 kann er die Maschinen voraussichtlich für Fr. 100 000.– verkaufen. Somit ergibt sich für die 20 Pachtjahre ein Abschreibungspotenzial von Fr. 200 000.–.
«Richtige» Abschreibungen
Teilt man das Abschreibungspotenzial von Fr. 200 000.– durch 20 Pachtjahre, erhält man die «richtigen» Abschreibungen von durchschnittlich Fr. 10 000.– pro Jahr. Das steuerbare Einkommen ohne Abschreibungen (Fr. 60 000.–) minus die «richtigen» Abschreibungen ergibt ein Einkommen von durchgehend Fr. 50 000.– (grüne Balken). Am Ende der Pachtdauer entsteht weder Gewinn noch Verlust. Die Steuerbelastung beträgt insgesamt 153 420 Franken.
Zu wenig Abschreibungen
Die blauen Balken zeigen die Folgen einer zu niedrigen Abschreibung. Von 2006 bis 2024 wird ein steuerbares Jahreseinkommen von Fr. 55 000.– erzielt. Da die Maschinen insgesamt nur um Fr. 100 000.– abgeschrieben werden (20 Jahre × Fr. 5000.–) resultiert Ende 2025 ein Buchverlust von Fr. 100 000.–; er darf mit dem ordentlichen Einkommen 2025 verrechnet werden, was ein negatives steuerbares Einkommen ergibt (hellblauer Balken). Es wurde Abschreibungspotenzial verschwendet.
«Zu starke» Abschreibungen
Wenn man pro Jahr durchschnittlich Fr. 15 000.– abschreibt (orange Balken), beträgt der Buchwert der Maschinen Ende 2025 null (Anschaffungskosten Fr. 300 000.– minus Abschreibungen von 20 × Fr. 15 000.–). 2025 erzielt der Landwirt ein Einkommen aus Maschinenverkäufen von Fr. 100 000.– (Balken helles orange). Dieses Einkommen kann als «privilegierter Liquidationsgewinn» abgerechnet werden, daher sind die Steuerfolgen mild. Im Vergleich zur «richtigen» Strategie ergibt sich ein Steuervorteil von über Fr. 14 000.–. In diesem Beispiel lohnt es sich also, zu stark abzuschreiben.
«Viel zu starke» Abschreibungen
Die roten Balken zeigen: Extrem hohe Abschreibungen lohnen sich nicht. Zwar ist anfangs das steuerbare Einkommen sehr tief. Doch das Abschreibungspotenzial ist nach sechs Jahren ausgeschöpft: Ab 2012 kann man nichts mehr abschreiben. Auch hier profitiert der Landwirt 2025 von einem privilegierten Liquidationsgewinn (hellroter Balken). Insgesamt ist aber die Steuerbelastung höher als in der Variante «zu starke» Abschreibung. Der Grund ist die Steuerprogression: Höhere Einkommen werden prozentual stärker besteuert als tiefere.
Achtung Sozialversicherungen
Nebst den Steuerfolgen sind auch Aspekte der Sozialversicherung zu berücksichtigen. Zum Beispiel können Taggeldleistungen oder IV-Renten tiefer ausfallen, wenn das Einkommen mittels Abschreibungen reduziert worden ist.

Steuerbares Einkommen eines Pachtbetriebes bei verschiedenen Abschreibungsstrategien